VORFREUDE

Meine Freundin Sigrid und ich kennen uns nun schon einige Jahre. Wir sind zwar grundverschieden, sind aber in gewissen Sachen auf der gleichen Wellenlänge. Zum Beispiel Spiritualität! Wir mögen beide die gleichen Bücher, wir interessieren uns für die Aborigines, für vergangene Zeiten. Wir glauben an die Bedeutung der Träume und an das Leben nach dem Tod.
Sigird war zu diesem Zeitpunkt noch nie verreist gewesen. Als sie mir über eine frühere Schulfreundin erzählte, die in Australien lebt und über die unzähligen Einladungen, die sie schon von ihr bekommen hatte, wusste ich sofort, dass wir nach Australien fliegen werden. Gesagt, getan. Ich schlug ihr die Reise vor und schon am nächsten Tag befand ich mich im Reisebüro, um mich über die Preislage zu erkundigen.

Meine liebe Freundin konnte es gar nicht glauben. Sie flippte fast aus und es war unfassbar für sie, dass wir wirklich bald nach Australien fliegen würden.
Da die Jahreszeiten in Australien genau umgekehrt zur nördlichen Hempisphäre sind, beschlossen wir Anfang April zu reisen, wo in Australien der Herbst beginnt.

Wie schon gesagt, war meine Freundin noch nie verreist, geschweige denn hatte sie ein Flugzeug aus der Nähe gesehen, deshalb war sie schon etwas verängstigt, zugleich aber auch voller Vorfreude. Nichts war uns mehr wichtiger, als die Reise auf den fernen und fremden Kontinent zu planen. Wir sprachen über nichts Anderes mehr und konnten kaum erwarten, es unserer Familie und allen Freuden mitzutteilen. Ich glaube, wir haben für einige Wochen alle verrückt gemacht.

In den letzen Wochen vor Abreise trafen Sigrid und ich uns sehr oft und versuchten, mit leuchtenden Augen, uns vorzustellen, wie es denn in Australien werden würde. Die Route war zu diesem Zeitpunkt schon längst zusammen gestellt und die Flugzeit würde ca. 21 Stunden betragen.

In der Nacht vor Abreise sassen wir bei ihr im Wohnzimmer und konnten bis 4 Uhr morgens nicht aufhören, über das bevorstehende Abenteuer zu reden.

Obwohl wir ja wenig Schlaf erwischt hatten, waren wir keineswegs müde, als wir zum Bahnhof fuhren um von dort zum Frankfurter Flughafen zu kommen. Einige unserer Freunde fanden sich nach und nach am Bahnhof ein, um uns zu verabschieden. Man konnte schon sehen, dass einige etwas neidisch waren, aber natürlich freuten sich alle für uns.
Es war wie im Film, als der Zug abfuhr........alle Freunde zückten die weissen Taschentücher und winkten. Ich konnte mir ein paar Tränen nicht verkneifen.
Ach, was waren wir jetzt voller Vorfreude.


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